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#174 Alles zum Thema Impfen mit Julius Krawczyk

Julius Krawczyk betreibt eine TA-Praxis in Rheinland-Pfalz und ist auf internationalen Turnieren als FEI zertifizierter TA tätig. Durch seine Tätigkeiten bei dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim ist er stets auf dem neuesten Stand der Forschung.

Im Interview beantwortet er die von Euch gestellten Fragen, wie zum Beispiel wie man am besten einer Impfreaktion vorbeugen kann. Er erklärt außerdem, weshalb Herpes oft in Wellen auftritt und wie man mit einem Ausbruch von Druse umgeht.

StIKo Vet Pferd: Mitteilungen der StIKo Vet zu Pferden: Stiko Vet (fli.de)

Leitlinie zur Impfung von Pferden: Leitlinie zur Impfung von Pferden (openagrar.de)

Karte WNV Infektionen: West-Nil-Virus | Friedrich-Loeffler-Institut (fli.de)

Podcast Transkript

Dieses Transkript wurde durch eine KI erstellt und nicht gegengelesen.

[SPEAKER 3]
[00:00:27-00:00:33]
Herzlich willkommen beim wehorse Podcast mit Christian Kröber.

[SPEAKER 2]
[00:00:33-00:01:44]
Ein Thema, das jeden Pferdebesitzer betrifft, ist das Impfen. Es ranken sich ja sehr viele Mythen um dieses Thema und heute wollen wir diesen nachgehen und aufklären. Dazu habe ich mich mit Dr. Julius Krafcik getroffen. Er ist praktizierender Tierarzt in einer Praxis in Rheinland-Pfalz und hat somit tagtäglich mit Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzern genau zu diesem Thema zu tun. Dazu ist er auch noch für die pharmazeutische Industrie tätig bei der Firma Böhringer Ingelheim, unter anderem dort in der Schulung von Tierärzten und somit kennt er auch den aktuellen Stand der Technik. Dankenswerterweise sind die Krankheiten, die man inzwischen mit Impfungen bekämpfen bzw. vermeiden kann, ganz klar gegliedert. Und für jedermann, wie ich finde, das ist so einer meiner Learnings auch aus diesem Podcast, gut verständlich zu erklären, wie das genau aussieht. Darüber sprechen wir jetzt. Es handelt sich sozusagen um einen klaren Fahrplan, den wir euch heute zu diesem Thema Impfen an die Hand geben. Ich würde sagen, auf geht's. Hallo Julius.

[SPEAKER 1]
[00:01:44-00:01:47]
Hallo Christian. Schön, dass ich hier sein darf.

[SPEAKER 2]
[00:01:47-00:02:11]
Wir wollen über ein spannendes Thema heute sprechen, das Menschen auch bewegt, nämlich Impfen. Und das ist ja etwas, was bei Menschen ja insbesondere in der Corona-Zeit richtig hochgekocht ist und auch in Teilen zu einem Politikum geworden ist. Und wir werden jetzt mal im Pferdebereich ein paar Mythen auch nachgehen und ein paar Fakten ergründen rund um das Thema Impfen.

[SPEAKER 1]
[00:02:12-00:02:19]
Ja, ich bin gespannt, ob wir alle am Ende dieses Podcasts schlauer sein werden. Ich hoffe es zumindest.

[SPEAKER 2]
[00:02:19-00:02:28]
Das ist die große Frage. Vielleicht einmal grundsätzlich, um in dieses Thema reinzukommen. Warum sind Impfungen für Pferde grundsätzlich eigentlich wichtig und angebracht?

[SPEAKER 1]
[00:02:29-00:03:16]
Man kann es eigentlich so zusammenfassen, dass man durch Impfung aktiven Tierschutz betreibt. Man weiß einfach seit Jahrzehnten, dass Impfungen wirken und ihre Daseinsberechtigung haben und am Ende ja dem Pferd selber und aber auch dem Nachbarpferd, je nach Impfung, die man benutzt, natürlich helfen kann und dadurch einfach für mehr Tierwohl sorgt. Und das hat man jetzt ja auch zum Beispiel des Eingangs ja gesagt. auch bei der Corona-Pandemie gesehen, dass wirklich ich tue nicht nur was für mich selber, indem ich mich impfe. Ich schütze nicht nur mich selber, sondern ich sorge auch dafür, dass mein Nachbar, dass es dem vielleicht nicht schlecht geht. Und das ist natürlich auch noch ein großes Plus.

[SPEAKER 2]
[00:03:16-00:03:20]
Also Impfungen sind eigentlich eine zivilisatorische Errungenschaft.

[SPEAKER 1]
[00:03:21-00:03:36]
Ja, definitiv. Das war also... Das war einer der Errungenschaften schlechthin, die Impfung. Das ist ja, was wir für Krankheiten teilweise ausgerottet haben durch Impfung. Das ist schon phänomenal.

[SPEAKER 2]
[00:03:37-00:03:55]
Was sind denn so die gängigsten Impfungen, die beim Pferd angebracht sind? Da gibt es ja die haushaltsüblichen Dinge, jetzt so Tetanus-Impfungen. Oder Herpes ist ja auch viel in der Presse gewesen. Aber was sind so die gängigen Impfungen, die eigentlich an jeder Pferdebesitzer seinem Pferd angedeihen lassen sollte?

[SPEAKER 1]
[00:03:56-00:05:09]
Da haben sich viele schlaue Leute darüber schon Gedanken gemacht. Und wir haben ähnlich wie in der Humanmedizin, gibt es auch in der Tiermedizin und gerade auch beim Pferd, eine STIKO, also eine ständige Impfkommission Wett, die wirklich durch Experten hier vertreten ist. Und die haben sich Gedanken gemacht, nämlich genau zu dieser Frage, was macht Sinn und was macht weniger Sinn. Und die unterscheiden zwischen sogenannten Chorimpfungen, Und Non-Core-Impfungen. Und diese Core-Impfungen, das sind die Impfungen, wo die STIKO sagt, mit diesen Impfungen sollte jedes Pferd zu jeder Zeit geschützt sein. Und die Non-Core-Impfungen, das sind Impfungen, die im Einzelfall betrachtet werden müssen, ob das für das jeweilige Pferd oder für den jeweiligen Bestand Sinn macht. Zu den Core-Impfungen haben wir eigentlich drei Stück. Das sind zum einen die Tetanus-Impfungen, dann die Influenza-Impfungen und dann die Herpes-Impfungen. Und bei diesen Non-Core-Komponenten, das sind dann noch viele kleinere, da können wir später vielleicht nochmal drüber sprechen, aber diese drei Core-Impfungen, Influenza, Tetanus, Herpes, da sagt die STIKO, dagegen sollte jedes Pferd zu jeder Zeit geschützt sein.

[SPEAKER 2]
[00:05:10-00:05:32]
Also die STIKO, wie du sagst ja, bei Menschen ist das ja früher eine Kommission gewesen, die niemand kannte. Jetzt etwas, wenn man STIKO sagt, dann weiß jeder sofort Bescheid, ja okay, das ist die Kommission, die sich darum kümmert. Also sowas gibt es auch in der Pferdewelt. Von wem kommt das? Das ist dann das Landwirtschaftsministerium wahrscheinlich, das diese STIKO einberuft.

[SPEAKER 1]
[00:05:32-00:05:47]
Nein, das gehört dann eigentlich zum Friedrich-Loeffler-Institut. Also die STIKO ist im Friedrich-Loeffler-Institut angesiedelt und auch das Friedrich-Loeffler-Institut am Ende auch zu der Bundesbehörde gehört, hat aber nichts mit dem Landwirtschaftsministerium zu tun.

[SPEAKER 2]
[00:05:47-00:05:53]
Okay, und die Kollegen, die Herrschaften dort, die wählen dann aus, was ist angebracht und was nicht?

[SPEAKER 1]
[00:05:54-00:06:18]
Genau, das sind ein guter Querschnitt aus Wissenschaftlern von Universitäten, aber auch aus privaten Kliniken und Praxen, aber auch vom Tiergesundheitsdienst zum Beispiel. Das sind so acht, neun Leute, die wirklich in Deutschland führend sind zum Thema Impfung. Und das ist das Expertengremium Schlechtheit.

[SPEAKER 2]
[00:06:19-00:06:33]
Wir können ja zunächst einmal zu den Core-Impfungen gehen, also die Kernimpfungen, die jedes Pferd haben sollte. Da hast du ja die drei angesprochen. Warum sind das genau die drei, die man impfen sollte oder die wirklich angebracht sind?

[SPEAKER 1]
[00:06:34-00:08:38]
Also wenn wir die drei mal durchgehen, können wir bei Tetanus anfangen. Tetanus ist einfach eine... Sehr, sehr schlimme Krankheit, wenn man wirklich mal ein Pferd gesehen hat, das an Tetanus eingeht, das ist ein schlimmer Tod für die Pferde. Das ist keine schöne Sache und das steht ja auch zum Beispiel in der LPO und die FN sagt das ja auch, dass das die Tetanus-Komponente, das ist wirklich die, Impfung, die bei jedem Pferd wirklich gemacht werden muss und wo man am meisten Tierschutz betreiben kann, weil durch diesen einen kleinen Piks man eine schlimme Krankheit verhindern kann. Und das Problem ist bei der Tetanus-Krankheit, dass der Keim, der diese Krankheit auslöst, am Ende überall vorkommen kann. Und es reicht ja, dass mein Pferd eine kleine Wunde nur hat und dann kommt dieses Keim, dieses Clostridium raus, kommt dann in das Pferd rein und führt dann zu Nervenschädigungen und dann kann das Pferd sterben. Und das ist wirklich was, was man auf jeden Fall machen sollte. Ganz unabhängig davon, ob man ein Turnierpferd hat, ein Freizeitpferd hat, ob das hinterm Haus steht, ob das in einem großen Turnierstall steht. Das ist ganz, ganz unabhängig davon. Und bei der Influenza-Erkrankung, was ja die zweite Core-Impfung ist, dort ist es einfach so, dass neben dem individuellen Tierwohl, was man hat, dass die Pferde natürlich leiden an so einer Influenza-Erkrankung, wie wir Menschen auch. Das ist ja ähnlich wie eine Grippe beim Menschen. Aktuell ist ja auch wieder eine Grippewelle beim Menschen, immer zu dieser Jahreszeit. Und da ist es auch so, dass es einfach einen sehr, sehr hohen wirtschaftlichen Schaden durch diese Erkrankung noch zusätzlich kommt. Und bei der Herpeserkrankung ist es auch so, dass wir, da gibt es jetzt zwei verschiedene Formen, dass es da bei der einen Form auch vor allem in der Zucht zu großen Problemen führen kann, zu Aborten beim Fohlen zum Beispiel. Und das sind natürlich Dinge, die wollen wir natürlich verhindern.

[SPEAKER 2]
[00:08:38-00:08:41]
Erklär einmal Aborten, das ist ja ein Fachbedürfnis, der vielleicht jeder kennt.

[SPEAKER 1]
[00:08:41-00:09:02]
Ja, Aborte, das sind im Prinzip, wenn ungeborene Fohlen sterben im Mutterleib und dann kommt es zu einem Frühabort, das heißt es kommt zu einer verfühlten Geburt und dadurch, das nennt man auch Verfohlen eigentlich, das ist einer der großen Probleme beim Herpes.

[SPEAKER 2]
[00:09:04-00:09:23]
Jetzt haben wir auch die Community gefragt auf Instagram, was sind so eure Fragen? Und gerade das Thema Influenza, da kamen so ein paar Fragen. Ich kann ja mal eine hier rausholen aus meinem kleinen Fundus. Da fragt zum Beispiel Fokus Hufschlag. Ist es wirklich nötig, Influenza alle sechs Monate zu impfen? Wie lange hält die Impfung grundsätzlich an?

[SPEAKER 1]
[00:09:25-00:11:05]
Sehr relevante Frage auf jeden Fall. Vielleicht zum Hintergrund. Als FN-Turnierpferd ist es so, dass die FN sagt, man muss alle sechs Monate sein Pferd impfen, wenn das Pferd aufs Turnier geht gegen Influenza. Wenn man sich die Beipackzettel der verschiedenen Impfstoffe, die es gibt bei Influenza anguckt, wird gesagt, dass der Impfschutz zwölf Monate anhält. Man hat aber Auch diese Studien werden auch immer wieder wiederholt. Jetzt gerade erst im Jahr 2022 kam eine Studie raus, die genau diese Frage nochmal untersucht hat und geguckt hat, okay, macht es wirklich Sinn oder warum sollte ich alle halbe Jahre mein Pferd impfen? Und es ist so, und das haben wir ja auch, da können wir wieder super Parallelen ziehen zur Impfung. Zur Corona-Pandemie, dort hieß es am Anfang ja auch, der Impfschutz, den muss ich einmal impfen, dann meine Grundimmunisierung und dann habe ich ein Jahr Impfschutz. Und da wurde im Laufe der Zeit diese Wiederholungsimpfung immer weiter nach vorne gezogen, weil man einfach gemerkt hat, dass wenn ich geimpft werde, dann habe ich einen gewissen Antikörpertiter, so heißt es, also einen Spiegel an Antikörpern, die gegen diese Erkrankung hilft am Ende oder mich schützt. Und der fällt nach und nach immer wieder ab. Und da sind sich die Experten halt einig, dass man sagt, man hat zwar einen gewissen Schutz über ein Jahr, aber wenn ich mein Pferd optimal schützen will, dann sollte ich nach sechs Monaten da nochmal eine Booster-Impfung, so heißt es, eine Wiederholungsimpfung, das kennen wir auch von der Corona-Pandemie, dort nochmal geben, um wirklich den Antikörperspiegel hochzuhalten und dem Pferd den bestmöglichen Schutz zu geben.

[SPEAKER 2]
[00:11:07-00:11:26]
Die FN, also wir haben ja jetzt das Beispiel, das du gerade gemacht hast mit sechs Monaten, kommt ja für FN Turnierpferde. Jetzt muss man sagen, nicht jedes Pferd ist ein Turnierpferd. Es gibt ja auch genügend Pferde, die damit gar nichts zu tun haben. Wäre es da ratsam, dann bei den zwölf Monaten zu bleiben oder sollte man grundsätzlich da Richtung sechs Monate gehen?

[SPEAKER 1]
[00:11:26-00:12:29]
Grundsätzlich macht man mit den sechs Monaten auf jeden Fall nichts verkehrt. Das ist Punkt eins. Punkt zwei ist, man muss da aber auch immer das individuelle Risiko, Infektionsrisiko, den Infektionsdruck eines jeweiligen Pferdes wirklich anschauen. Das heißt, in was für einer Umgebung steht mein Pferd? Steht mein Pferd in einem Stall, wo viel Durchgangsverkehr ist, wo viele Pferde hinkommen, wo viele kurzzeitig hinkommen, wo viele Pferde, Nachbarpferde, aufs Turnier gehen zum Beispiel? Oder habe ich ein Pferd, was einfach nur... Wenn es ein Rentner ist, wird es nicht 20 Jahre sein, aber in den nächsten 10 Jahren einfach nur auf der Wiese steht und nur seinen Kumpel dann auch mit auf der Wiese stehen hat. Da kann man sicherlich sagen, dass die einjährige Impfung für die Influenza-Erkrankung sicherlich ausreichend ist. Aber auch da nochmal, die STIKO sagt da auch, die sechs Monate auch für Nicht-Turnierpferde, die aber halt in einem Stall stehen, wo viel Pferdeverkehr ist, dort sollte man auch die sechs Monate auf jeden Fall einhalten.

[SPEAKER 2]
[00:12:29-00:12:41]
Und das ist ja auch wie bei Menschen, wenn man... wenn man so eine Krankheit besser eindämmen kann, werden weniger krank, es wird weniger verteilt, es senkt sich so die Gesamtlast.

[SPEAKER 1]
[00:12:42-00:12:58]
Genau, das ist ja das, was ich anfangs auch gesagt hatte, dass ich ja nicht nur mein Pferd schütze, sondern halt auch, genau, ich sorge dafür, dass ein geringerer Infektionsdruck da ist, dass das Virus vielleicht weniger ausgeschieden wird und dass mein Nachbarpferd dann im Idealfall auch nicht erkrankt.

[SPEAKER 2]
[00:12:59-00:13:18]
Dann eine Frage von Tina Amy. Da geht es auch darum, warum in Deutschland zweimal im Jahr geimpft werden muss. International gibt es allerdings andere Regeln. Ich gehe mal davon aus, sie meint jetzt die Regeln der FII, der Internationalen Pferdesportorganisation. Warum wird das international dann nochmal anders gesehen?

[SPEAKER 1]
[00:13:19-00:13:54]
Also bei der Influenza-Impfung ist es auch so, dass ich bei den FEI-Pferden auch alle sechs Monate geimpft werden muss. Das ist für die FEI-Pferde so. Es ist aber stimmt, dass in einigen Ländern, auch wenn wir zum Beispiel über Herpes reden, ist ja auch nicht überall eine Impfpflicht, dass in anderen Ländern aber einfach teilweise andere Gegebenheiten da sind, als jetzt zum Beispiel bei uns in Deutschland. Und das muss man natürlich da immer hinterfragen. Aber bei der FN und auch bei der FI für Sportpferde gilt für Influenza eine sechsmonatige Impfung.

[SPEAKER 2]
[00:13:54-00:13:58]
Und wenn du sagst andere Bedingungen, sind das häufig auch klimatische Bedingungen, richtig?

[SPEAKER 1]
[00:13:58-00:15:21]
Klimatische Bedingungen, da ist ein ganz anderer Krankheitsdruck da. Da ist die Krankheit vielleicht nicht so vorherrschend. Wenn ich mir zum Beispiel Australien anschaue. Australien ist ein sehr gutes Beispiel und Neuseeland sind Influencer-frei. Das heißt, dort gibt es keinen einzigen Fall von Influencer. 2007 war das, hatten die einen Influencer-Ausbruch, wo innerhalb von kürzester Zeit, von wenigen Wochen... ungefähr 70.000, 80.000 Pferde auch einmal an Influenza erkrankt waren. Bis dahin waren die Influenza frei. Und dann ist aber ein Pferd nach Australien gekommen, was durch die Quarantänemaßnahmen im Prinzip durchgefallen ist und Influenza mit eingeschleppt hat. Und dann sind innerhalb von wenigen Wochen 70.000, 80.000 Pferde an Influenza erkrankt. Und dann haben durch strikte Hygienemaßnahmen und durch ein striktes Impfprogramm konnte Australien dann diese Influenza-Erkrankung wieder ausmerzen im Prinzip und gilt jetzt wieder als Influenza-frei. Da sieht man auch wieder, was wirklich wichtig ist. Wenn ich Influenza oder auch bei allen anderen Erkrankungen, es ist ja nicht nur Influenza, auch bei Herpes, ist einfach die Hygienemaßnahmen unheimlich wichtig und die Impfung am Ende. Aber das ist ein Beispiel dafür, dass in anderen Ländern andere Gegebenheiten sind und dass jedes Land da seine eigenen Regeln so ein bisschen hat.

[SPEAKER 2]
[00:15:22-00:15:36]
Also bleiben wir mal im Core-Bereich. Wir haben über Tetanus gesprochen, wir haben über Influenza gesprochen. Das Dritte, was ja auch in der Wahrnehmung auch sehr, sehr groß in den letzten Jahren war, ist der Herpes-Virus. Was hat es damit auf sich?

[SPEAKER 1]
[00:15:37-00:18:12]
Gut, Herpes ist ja schon immer wieder mal im Gespräch gewesen. Da gibt es ja immer so Wellen, sage ich mal. Letztendlich ist es aber so, dass ca. 80% der Pferde das Herpes-Virus in sich tragen. Es gibt mittlerweile neun verschiedene Herpesviren, die man kennt. Beim Pferd spielen dieses Equine Herpesvirus 1 und das Equine Herpesvirus 4 im Prinzip die wichtigen Rollen. Das ist das, wo man sagt, okay, damit müssen die Pferde sich auseinandersetzen. Da ist jetzt zum Beispiel in Valencia 2021 war das. Das ist ein großer Turnierort Valencia, wo viele Pferde aus Europa und auch aus Übersee sich treffen, um sich auf die grüne Saison vorzubereiten. Dort kam es zu einem sehr, sehr großen Ausbruch von Herpeserkrankungen, wo auch einige Pferde daran gestorben sind. Und da kam es dann auch wieder dazu, in die Medien, dass dieses Herpesvirus beim Pferd. Und was interessant ist, dass halt 80 Prozent der Pferde dieses Virus in sich tragen. Und man kann da auch so ein bisschen die Parallelen ziehen zur Humanmedizin. Nicht ganz, aber so ein bisschen, dass wenn man einmal Herpes in sich hat, dann hat man es in sich. Und das kennt man vielleicht vom Lippenherpes auch. Das bricht mal aus und mal nicht. Und wann bricht es aus? Und so ist es beim Pferd auch, wenn das Pferd in Stresssituationen ist. Und Stress ist ein wirklich großer Begriff. Da gibt es verschiedene Faktoren, die das auslösen können. Die klinischen Symptome sind so ein bisschen unterschiedlich zwischen dem Equine Herpes Virus 1 und dem Equine Herpes Virus 4. Das EHV 1 ist eher die neurologische Form. Ich will jetzt nicht sagen, die schlimmere Form, auch EHV 4 kann schlimm sein, aber bei EHV 1 ist es so, dass die Pferde halt auch attaktisch werden, dass sie zum Festliegen kommen. Das heißt, sie können sich nicht mehr koordinieren und dann in vielen Fällen auch eingeschläfert werden müssen. Dieses EHV 1 ist auch dafür der Grund für diese Verletzungen. Für diese Fehlgebote, die ich gerade eben erwähnt hatte schon einmal und bei dem ERV4, dort kommt es eher so ein bisschen zu Symptomen wie mit Atemwegserkrankungen, Fieber, so ein bisschen Nasenausfluss und das sind die unterschiedlichen Symptome, die bei diesen zwei verschiedenen Verlaufsformen zu beachten sind.

[SPEAKER 2]
[00:18:13-00:18:27]
Aber es ist ja schon so, dass Herpes in der Wichtigkeit, das ist zumindest mein rein subjektiver Eindruck, in den letzten Jahren deutlich mehr Fälle sind. Ist das die beschriebene Wellenbewegung, die du eben erklärt hast?

[SPEAKER 1]
[00:18:27-00:19:32]
Ja, das ist so ein bisschen das Problem bei Impfungen. Man sieht ja selten den Erfolg einer Impfung. Idealerweise sieht man nichts. Da sieht man nichts. Gerade bei den Herpes-Impfungen ist das so ein bisschen so. Da gibt es ganz gute Daten zu. Es kommt ein Ausbruch Die Leute impfen, viele, viele, viele impfen, dann kommt es natürlich zu weniger Ausbrüchen, weil durch die Impfung einfach weniger Virus ausgeschieden wird. Dann vergessen die Leute manchmal so ein bisschen diese Impfung und sagen, okay, dann brauche ich das, ach brauche ich gar nicht und so. Ist jetzt gar nichts mehr aufgetreten, dann kommt es zu einer sogenannten Impfmüdigkeit und dann kommt es wieder zu Impfungen. mehr Fällen. Das ist so ein bisschen diese Wellenbedingungen. Aber deswegen sagt ja gerade die STIKO, um da entgegenzuwirken, es ist eine Core-Impfung und man sollte da wirklich alle sechs Monate impfen. Und auch die FN hat jetzt auch seit Anfang 2023 dort die Pflichtimpfung für EFV1 festgesetzt.

[SPEAKER 2]
[00:19:34-00:20:12]
Auch hier gab es einige Fragen rund um das Thema Herpes. Wir haben auch schon ein paar abgefrühstückt, aber eine Frage ist hier und die hast du gerade in Teilen schon beantwortet, die will ich trotzdem noch einmal hochholen. Warum muss Herpes für die Turnierteilnahme geimpft werden? Und das ist eine Frage von Nestglück, so heißt der User. Nestglück hält das für unnötig. Also vielleicht nochmal so aus deiner Sicht. Das gehört ja zu den Core-Impfungen. Warum ist da auch diese 6-Monats-Periode jetzt eingeführt und damit die de facto Impfpflicht?

[SPEAKER 1]
[00:20:15-00:20:25]
Also erstmal muss man sagen, dass wenn ich Herpes impfe, muss man alle sechs Monate impfen, um einen Impfschutz aufrechtzuerhalten, weil der Antikypatite einfach nicht so lange anhält, wie jetzt bei der Influenza.

[SPEAKER 2]
[00:20:25-00:20:26]
Anders als bei den anderen, muss man sagen.

[SPEAKER 1]
[00:20:26-00:22:04]
Genau, anders als bei den anderen. Also Influenza kann ich einmal im Jahr impfen. Das ist laut Packungsbeilage vollkommen in Ordnung. Bei den Herpes-Impfstoffen, die müssen alle sechs Monate geimpft werden, weil der Antikypatite einfach nicht länger hält bei dieser Impfung. Und Das ist zum einen, warum ich alle sechs Monate impfe. Zum anderen, warum soll ich Herpes impfen? Das ist wirklich... Ich finde immer ein gutes Beispiel ist, wenn man es mal sieht, was diese Erkrankung auslöst. Und wenn man Glück gehabt hat bisher und mit dieser Erkrankung noch nicht in Kontakt gekommen ist, sollte man mal bei YouTube ein paar Videos angucken, einfach mal Equines Herpes Virus angeben. Aus Amerika gibt es ein paar Videos, wie diese Pferde, die an Herpes erkrankt sind, was das für eine Krankheit ist, was die Pferde leiden. Also das ist wirklich diese neurologische Verlaufsformen, Die können nicht mehr stehen, die können sich nicht mehr koordinieren, die kommen zum Festliegen und würde man da nicht vernünftig eingreifen, sterben diese Pferde jämmerlich einfach. Das muss man einmal so, hart es klingt, aber so ist es. Und auch diese Fehlgeburten, also wir züchten ja, weil wir Leben erschaffen wollen, weil wir es schön finden mit den Fohlen und weil das ja, wir wollen die Pferdepopulation ja erhalten und wenn dann so eine eine Fehlgeburt zwischen dem 7. und 11. Trächtigkeitsmonat kommt, wo man sagt, Mensch, jetzt ist schon alles auf dem richtigen Weg und bald kommt unser Fohlen. Das ist einfach nicht schön und ich denke, wenn wir die Möglichkeit haben, dort vernünftigen Schutz und aktiven Tierschutz zu leisten, dann sollte man das auch machen.

[SPEAKER 2]
[00:22:06-00:22:34]
Okay, also ganz klares Statement von dir und ich glaube, das ist Auch immer ganz wichtig, wir haben ja Tetanus, hast du ja eben schon gesagt, das kann wirklich sehr problematisch werden. Herpes kann auch sehr problematisch werden. Ist Influenza, ist das auch in Teilen tödlich? Man hört es ja aus dem humanen Bereich, jedes Jahr sterben x Menschen an Influenza. Gibt es da solche Zahlen auch im Pferdebereich?

[SPEAKER 1]
[00:22:34-00:23:37]
Nein, also die Gefahr, dass ein Pferd, das an Influenza erkrankt, stirbt, ist im Vergleich zu zum Beispiel Tetanus oder Herpes deutlich geringer. Dort ist es wirklich so, dass man einfach sagt, man hat einen... natürlich auch leiden für das Tier durch die Influenza-Erkrankung. Die haben sehr, sehr hohes Fieber. Die haben bis zu 41 Grad Fieber. Was aber das Problem sein kann bei dieser Influenza-Geschichte, dass es Folgeerkrankungen gibt, langwierige Folgeerkrankungen. Wenn wir zum Beispiel auf diese Influenza, auf diese Viruserkrankung noch eine bakterielle Erkrankung, es kommt zu einer Lungenentzündung zum Beispiel, das ist natürlich eine schwerwiegende Komplikation oder das Pferd wird asthmatisch dadurch. Das heißt, es ist Ein chronisch hustendes Pferd, das will man ja auch nicht haben. Das ist ja auch nicht schön fürs Pferd. Und deswegen impft man da eigentlich am ehesten, um halt diese Folgeschäden, was heißt Schäden, aber diese Folgekrankheiten, die da passieren können, auch im Griff zu halten.

[SPEAKER 2]
[00:23:38-00:23:47]
Das ist ja jetzt der Core-Bereich, den wir besprochen haben, also der Kern. Aber es gibt ja, wie du eben beschrieben hast, auch den Non-Core-Bereich. Was ist da so alles drin?

[SPEAKER 1]
[00:23:48-00:24:33]
Da ist eigentlich einer oder zwei bekannte Krankheiten und da möchte ich auf eine genauer eingehen, ist zum Beispiel Druse und das West-Nil-Virus. Das West-Nil-Virus ist insofern, von Druse haben wir eigentlich viel schon gehört, das kennen sicherlich einige, da brauchen wir jetzt gar nicht drauf eingehen, aber dieses West-Nil-Virus, das ist eigentlich ganz interessant. weil das eine Krankheit ist oder eine Viruserkrankung, die erst seit 2018 in Deutschland ist. Das heißt, diese Krankheit ist in anderen Ländern, gibt es die schon seit vielen, vielen Jahren, in Amerika zum Beispiel. Und jetzt seit 2018 ist die auf einmal in Deutschland aufgeploppt. Da fragt man sich natürlich, wie kann sowas passieren? Wie kommt diese Krankheit auf einmal her? Und das hängt am Ende auch mit dem Klimawandel zusammen.

[SPEAKER 2]
[00:24:33-00:24:35]
Klimawandel, es wird wärmer.

[SPEAKER 1]
[00:24:35-00:25:35]
So ist es. Das Westnil-Virus gehört mit zu diesen sogenannten Emerging Diseases, also Krankheiten, die jetzt neu auftreten oder in Regionen neu auftreten. Und dieses Virus wird mit über die Stechmücke übertragen, die das Virus vom Vogel, also die Mücke, sticht. Den Vogel hat das Virus dann in sich, das Westnil-Virus. Und sticht dann das Pferd und das Pferd erkrankt dann. Das Westnil-Virus ist eine Einzeltiererkrankung. Es ist auch eine Zoonose. Das heißt, es ist eine Krankheit, die auch auf den Menschen übergehen kann. Aber wie gesagt, ganz wichtig, eine Einzeltiererkrankung. Und wenn mein Pferd an Westnil erkrankt, läuft es in vielen Fällen, kriegt es gar nicht mit. Also das ist ganz gut. Acht Prozent der infizierten Pferde entwickeln aber klinische Symptome. Und von diesen acht Prozent, Pferden mit klinischen Symptomen können bis zu 50% der Pferde sterben.

[SPEAKER 2]
[00:25:36-00:25:37]
Also 4% umgerechnet dann, oder?

[SPEAKER 1]
[00:25:40-00:26:48]
Ja, ganz so kann man es nicht rechnen, aber deswegen splittet man das immer so ein bisschen auf. Aber es ist auf jeden Fall, wenn das Pferd klinisch erkrankt ist, eine sehr schwerwiegende Krankheit, auch mit neurologischen Formen. Das heißt, auch hier, wenn das Pferd das überlebt, kann es auch Spätschäden haben. Aber es ist halt eine Einzeltiererkrankung. Diese Erkrankung tritt interessanterweise auf, eher in den neuen deutschen Bundesländern auf. Warum, weiß man nicht so ganz genau. Aber da häufen sich die Fälle auf jeden Fall in den letzten Jahren. Und da diese Krankheit nicht überall in Deutschland ist und es eine sehr individuelle Krankheit ist, hat die STIKO halt gesagt, das ist eine Non-Core-Krankheit. Komponente ist, also Non-Core-Impfung ist. Das heißt, man sollte Pferde in betroffenen Regionen sollen geimpft werden und auch Pferde in benachbarten Regionen, wo Westnil-Fälle auftreten, sollen geimpft werden. Aber es ist aktuell keine flächendeckende deutschlandweite Impfung gefordert.

[SPEAKER 2]
[00:26:49-00:27:11]
Da kommt auch gerade eine Frage aus der Community von Horst Pferd-Cavallo. In welchen Regionen Deutschlands ist die Impfung empfehlenswert? Du hast gerade schon angerissen, die östlichen Bundesländer sind ein bisschen mehr betroffen. Wir haben ja hier deutschsprachige Menschen, Deutschland, Österreich und Schweiz und manchmal auch ein bisschen darüber hinaus. Wo sollte ich mich impfen?

[SPEAKER 1]
[00:27:11-00:27:21]
Also du hast es gerade schon gesagt, auf jeden Fall. Und da hat die STIKO-Wett auch eine ganz nette Karte. Und das FLI hat eine ganz nette Karte von den betroffenen Regionen.

[SPEAKER 2]
[00:27:21-00:27:23]
Packen wir auch gerne in die Shownotes die Karte.

[SPEAKER 1]
[00:27:23-00:27:47]
Genau, können wir da gerne reinmachen. Also auf jeden Fall Pferde, die im Osten von Deutschland leben. aber auch Pferde, die zum Beispiel, ich sag jetzt mal, nach Berlin zum Turnier fahren oder zu einem Wanderritt, es muss ja nicht immer nur das Turnier sein, auch zum Wanderritt oder so, oder einen Urlaub da irgendwo in der Uckermark bis in zwei Wochen ausreiten will.

[SPEAKER 2]
[00:27:47-00:27:48]
Ist ja schön da.

[SPEAKER 1]
[00:27:49-00:28:19]
Ja, auf jeden Fall. Ich war noch nicht da. Ähm... Die sollten auf jeden Fall geimpft werden, auch so ein bisschen in den südlichen Regionen. Wir haben jetzt im letzten oder vorletzten Jahr hatten wir den ersten Fall in Niedersachsen auch an der Grenze, an der östlichen Grenze von Niedersachsen. In Hamburg war auch schon ein Fall. Das sind so die Regionen, wo es jetzt so ein bisschen nach oben vielleicht geht, Richtung Norden. Dort sollte man auch darüber nachdenken, ob man sein Pferd vielleicht gegen das Westen-Niedervirus impfen möchte.

[SPEAKER 2]
[00:28:20-00:28:26]
Woher weiß man eigentlich, dass dann ein Fall aufgetreten ist, wenn du sagst, naja, im östlichen Niedersachsen gibt es jetzt einen Fall? Wie weiß man das?

[SPEAKER 1]
[00:28:27-00:29:20]
Das Westnil-Virus ist eine Erkrankung, die der Behörde gemeldet werden muss. Das heißt, wenn ich als Tierarzt oder als Labor dieses Virus nachweise, muss ich das der Behörde melden. Die Behörde am Ende, das ist jetzt nicht wie bei der Maul- und Klauenseuche, das kennt man vielleicht noch von früher, dass die irgendwelche Maßnahmen beschließt, aber die möchte einfach gerne den Überblick behalten, wo diese Erkrankung auftritt. Und deswegen weiß man das so gut. Das sind öffentlich zugängliche Daten, wo an welchem Datum ein Pferd oder auch ein Vogel an dieser Erkrankung oder positiv auf diese Erkrankung getestet worden ist. Und das kann man alles online nachschauen. Können wir auch gerne den Link mal reinstellen in die Show Notes, ist gar kein Problem. Und daran sieht man halt, wo die Pferde, in welcher Region die betroffen sind.

[SPEAKER 2]
[00:29:22-00:29:27]
Also Westnil, eines der Not-Core-Themen, aber wir haben noch ein weiteres.

[SPEAKER 1]
[00:29:28-00:29:34]
Ja, wir haben noch ganz viele, muss man ganz ehrlich sagen. Also es gibt noch zum Beispiel Tollwut, es gibt noch Druse.

[SPEAKER 2]
[00:29:34-00:29:36]
Stimmt, es sind nur die zwei, da hast du natürlich recht.

[SPEAKER 1]
[00:29:36-00:30:06]
Genau, also das ist so ein bisschen die Frage, wo wir hier den Cut machen wollen. Also ich würde sowieso empfehlen, dass wir vielleicht in die Shownotes ein, zwei seriöse Quellen einfach mal, weil auch beim Pferd ist es ja so, dass da viel... Unfug erzählt wird, sagen wir es mal so, dass man da einfach ein, zwei seriöse Quellen links reinstellen, wenn man sich informieren möchte, dann kann man da am besten was nachlesen.

[SPEAKER 2]
[00:30:06-00:30:17]
Aber wir können ja einmal kurz Druse, weil das ja auch immer wieder, hört man das ja auch als Reiter, Mensch, Druse-Ausbruch. Warum ist Druse ein Problem?

[SPEAKER 1]
[00:30:19-00:32:16]
Druse ist ein Problem, weil die Pferde auch dort in seltenen Fällen, aber es kann passieren, Spätschäden haben können, längerwierige Schäden, Beeinträchtigungen haben können. Im Großen und Ganzen ist Druse natürlich, wenn das Pferd erkrankt ist, eine schwere Erkrankung und bedarf einer intensiven Therapie, die am Ende auch kostenintensiv ist, muss man ganz ehrlich sagen. Es kann auch auf andere Bestände oder auf andere Pferde im Bestand übergehen. Es ist so ein bisschen immer, also habe ich das Gefühl, das ist jetzt meine persönliche Meinung hier, Wenn ein Bestanddruse positiv ist oder in einem Bestanddruse ausgebrochen ist, dann haben die Pferde ja, das kennt man ja, hat man vielleicht gehört, dann haben die hohes Fieber, haben Nasenausfluss, bilden sich so Abzesse am Unterkiefer, die aufgehen können. Es können aber auch Abzesse im Körper entstehen, die Probleme bereiten können. Relativ häufig sind dann viele Pferde im Bestand betroffen, aber am Ende kann keiner so richtig was dafür, dass Druse in einem Bestand ausbricht. Wenn da kein da ist, dann ist der da, dann muss man da mit der Situation klarkommen. Und es ist ja auch keine Anzeige- oder meldepflichtige Krankheit. Aber um einfach andere Bestände zu schützen, sollte man wirklich den Bestand dann schließen oder Quarantäne stellen, auch wenn das eine harte Nummer ist. Aber trotzdem sollte man das machen. Und da habe ich immer so den Eindruck, dass das einige irgendwie noch nicht so ganz verstanden haben. Dass man das vielleicht, wenn das Pferd oder der Bestanddruse positiv ist, dass man dann einfach mal... halt zwei, drei Wochen lang den Schall dicht macht. Schotten zu. Dann ist das doof für alle, aber ist dann halt mal so. Und auch, dass kein fremder Reitlehrer kommt, der dann wieder in einen anderen Stall geht und so. Aber da wird irgendwie so wenig drüber gesprochen.

[SPEAKER 3]
[00:32:16-00:32:17]
Die sagen, oh, Doos, der hat Doos.

[SPEAKER 1]
[00:32:17-00:32:55]
Psst. Das ist aber genau der falsche Weg. Man muss das offen ansprechen und sagen, unser Stall, da sind ein, zwei Fälle, vielleicht auch mehr, mit Dose aufgetreten. Wir machen jetzt hier zu und dann in ein paar Wochen ist auch wieder alles gut. Das ist so ein bisschen mein Statement zu Druse. Auch da gibt es eine Impfung, aber eine sehr individuelle Impfung. Da muss man wirklich mit dem Tierarzt besprechen, wann eine Impfung sinnvoll ist und wann nicht. Das sollte man wirklich, weil es eine sehr individuelle Geschichte ist, mit dem jeweiligen Tierarzt besprechen.

[SPEAKER 2]
[00:32:55-00:33:13]
Nun hast du ja eben gesagt, neben diesen beiden, die wir besprochen haben, gibt es sehr, sehr viele weitere im Non-Core-Bereich. Wie weiß ich denn als Pferdebesitzer oder Pferdebesitzerin, wann ich mich mit diesen Themen beschäftigen sollte? Spreche ich mit meinem Tierarzt dazu? Was ist der schlaue Weg?

[SPEAKER 1]
[00:33:13-00:33:43]
Also der kompetenteste Partner ist nach wie vor der Tierarzt eures Vertrauens. Also das ist wirklich... Natürlich kann man auch viel über Google nachgucken und auch sicherlich die Links, die wir nachher in die Shownotes reinsetzen, die sind auch sehr, sehr hilfreich. Aber am Ende ist Impfen eine sehr individuelle Geschichte oder Bestandsgeschichte. Da muss man wirklich auch viel fragen, um die optimale Lösung zu finden. Und das kann man am besten vor Ort mit dem Haustierarzt einfach besprechen.

[SPEAKER 2]
[00:33:46-00:34:11]
Jetzt kam auch... Einige Fragen rund um das Thema der Entwicklung von Impfstoffen. Kannst du vielleicht mal so einen kleinen Ausblick geben, was so der aktuelle Stand der Forschung ist im Hinblick auf neue Impfstoffe? Ist zu erwarten, dass wir in den nächsten Jahren noch weitere Krankheiten unserer Pferde mit Impfstoffen lösen oder lindern können?

[SPEAKER 1]
[00:34:12-00:35:11]
Ja, also es... Wir sind in der Pferdemedizin recht gut aufgestellt, muss man sagen. Aber es kommen immer, das sind diese Emerging Diseases, die noch auf dem Vormarsch sind. Gerade mit dem Klimawandel, was wir eben schon angesprochen haben. Da gibt es in Afrika einige Krankheiten, wenn die hier bei uns in Europa auch tauchen, dann haben wir da aktuell keine Impfung gegen. Und da wäre es natürlich schön, rechtzeitig vorbereitet zu sein, auch in der Zeit, Der Effektivität der Impfstoffe oder auch der Technologie der Impfstoffe gibt es sicherlich noch viel Potenzial. Aber das ist halt alles immer sehr zeitaufwendig auf jeden Fall. Und ich bin sehr, sehr zuversichtlich, dass da noch viel kommen wird, gerade was diese Emerging Diseases angeht. Aber wir in Deutschland können uns schon recht glücklich schätzen, was die Impfstoffsituation angeht im Vergleich zu anderen Ländern.

[SPEAKER 2]
[00:35:13-00:35:15]
Weil wir einfach in Deutschland Kapazitäten haben?

[SPEAKER 1]
[00:35:15-00:35:49]
Genau, weil wir Kapazitäten haben. Wir haben eine breite Palette an Impfstoffen gegen verschiedenste Krankheiten. Ich sage mal gegen die schlimmsten Krankheiten. Viruserkrankungen, wie auch immer, haben wir eine Möglichkeit, unsere Pferde zu schützen. Davon sollten wir auch alle Gebrauch machen. In anderen Regionen ist das einfach nicht so, wo die Impfstoffverfügbarkeit nicht so vorhanden ist, wie wir das in Europa kennen. Da leben wir einfach in einer sehr guten Situation.

[SPEAKER 2]
[00:35:49-00:36:03]
Dann eine Frage von Franziska Melbe. Mein Pferd hat immer starke Impfreaktionen. Wie kann ich es besser unterstützen, Sie schreibt, Sie spritzen vorab, ich hoffe, ich spreche das richtig aus, Xylexis.

[SPEAKER 1]
[00:36:03-00:38:01]
Xylexis, ja, genau. Das ist eine Stimulanz, um das Immunsystem zu stärken. Das ist gängige Praxis, sicherlich. Bei diesen Impfstoffreaktionen ist es immer, aktuell kann man auch sehr gut die Parallelen zur Corona-Pandemie beschreiben. Kann man ziehen, denn auch dort wissen wir, wenn man mal an seinen Freundeskreis, Bekanntenkreis denkt, da hat jeder so ein bisschen anders auf die Impfung reagiert. Und das ist beim Pferd auch so. Einige Pferde reagieren ein bisschen sensibler, andere ein bisschen weniger. Und das sagt auch die STIKO. Auch wenn es mal zu Nebenwirkungen kommen sollte, zu kleineren Nebenwirkungen, wie zum Beispiel so eine Schwellung, dass das Pferd mal ein, zwei Tage matt ist, sagt die STIKO, es ist trotzdem wert, das Pferd zu impfen. Weil der Benefit, den ich durch eine Impfung habe, ist deutlich höher als die ein, zwei schlechten Tage, die das Pferd dann leider hat, vielleicht im individuellen Fall durch eventuelle Nebenwirkungen. Das ist schwierig. Das muss man sich einfach immer so ein bisschen wieder vor Augen führen. Was man machen kann natürlich ist, je nachdem, wenn ich weiß, mein Pferd ist ein bisschen sensibel, dass man vielleicht sagt, okay, ich impfe nicht immer alle Impfungen zur gleichen Zeit. Ich ziehe das ein bisschen auseinander. Ich mache wirklich eine sehr gute klinische Allgemeinuntersuchung im Vorfeld, schaue, dass das Pferd gesund ist, dass es fit ist und dass das Pferd zum Beispiel auch nicht direkt nach dem Reiten geimpft wird oder dass ich erst schnell impfe und dann nochmal eben schnell eine halbe Stunde reite oder so. Das sind alles so Faktoren, die man einfach mal berücksichtigen sollte. Und auch da ist aber der Tierarzt, der Haustierarzt, wirklich der Ansprechpartner des Vertrauens.

[SPEAKER 2]
[00:38:02-00:38:19]
Woher weiß ich eigentlich, wann ich ein Pferd impfe? Jetzt nicht zeitlich, ob vor oder nach der Ratschen, das ist ja gerade erklärt, aber... Ist es in dem Moment, wo das Fohlen auf die Welt kommt, ist das dann schon der erste Moment, wo diese Grundimmunisierung gerade in dem Korps stattfinden muss?

[SPEAKER 1]
[00:38:20-00:38:30]
Also das Pferd, nein Entschuldigung, das Fohlen im Idealfall nimmt es direkt Kolostrum nach der Geburt auf und darüber hat es einen gewissen Schutz.

[SPEAKER 2]
[00:38:30-00:38:33]
Kolostrum ist die erste Muttermilch.

[SPEAKER 1]
[00:38:33-00:39:33]
Genau, die erste Muttermilch, wo man sagt, das Fohlen muss nach der Geburt relativ schnell ans Trinken kommen, um diese Muttermilch aufzunehmen, weil dort sehr, sehr viele wertvolle Maternalen Antikörper, also Schutz von der Mutter sozusagen, eine Art Impfschutz von der Mutter mit aufgenommen wird, der eine gewisse Zeit anhält. Und man sagt eigentlich, dass man ab sechs Monaten, also ab dem sechsten Lebensmonat Fohlen impfen kann. Das ist so der früheste und dann Open End am Ende. Also man kann wirklich... Nur weil das Pferd rennender ist, heißt es nicht, dass man jetzt die Impfung lassen sollte. Gerade zum Beispiel bei Tetanus ist das unheimlich wichtig, auch im hohen Alter noch, weil diese Pferde stehen meistens auf der Wiese, dass sie da wirklich einen guten Schutz haben. Also ab sechs Monaten bis Open End.

[SPEAKER 2]
[00:39:33-00:39:40]
Vielen Dank, lieber Julius. Wir gehen auf jeden Fall jetzt deutlich schlauer heraus. Ich habe auch noch was gelernt und vielen Dank für deine Zeit.

[SPEAKER 1]
[00:39:40-00:39:55]
Ja, es hat mir sehr viel Freude gemacht. Ich würde mich freuen, wenn wir uns hier mal wieder treffen. Und nochmal ein kleiner Appell an die Pferdebesitzer, an die Pferdefreunde hier. Wenn ihr wirklich Fragen habt zum Thema Impfung, ruft euren Tierarzt an.

[SPEAKER 2]
[00:39:55-00:39:59]
Wunderbar. Besser kann man das Ganze nicht ändern. Vielen Dank, lieber Julius.

[SPEAKER 1]
[00:39:59-00:40:01]
Bis bald. Bis dann.

[SPEAKER 3]
[00:40:01-00:40:02]
Ciao. Ciao.

[SPEAKER 2]
[00:40:05-00:40:24]
Dieser Podcast wurde produziert von Philippa Schwiegershausen. Mein Name ist Christian Kröber. Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns abonniert. Zum Beispiel auf Spotify einfach die Glocke drücken. Dann bekommt ihr immer eine Mitteilung, wenn der nächste Podcast da ist. Alle zwei Wochen könnt ihr uns hören. Der WeHorse Podcast. Ciao, ciao.

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